Brillenpass richtig lesen: Was Ihre Brillenwerte wirklich bedeuten

Hände halten einen Brillenpass, daneben liegt eine moderne Brille. Brillenpass-Werte verstehen bei Jaegers & Klingenhäger in Wassenberg

“Wie lese ich einen Brillenpass richtig?” Diese Frage stellen Menschen bei Google so oft, dass sie dort als eigener Vorschlag erscheint. Kein Wunder. Auf der kleinen Karte stehen Kürzel wie sph, cyl und ax, dazu Zahlen mit Plus und Minus.

Die gute Nachricht: Hinter jedem Kürzel steckt eine einfache Information. Wer den Brillenpass einmal lesen und verstehen gelernt hat, braucht dafür nur eine Minute.

Lena Herzog, Augenoptikerin bei Jaegers & Klingenhäger in Wassenberg, erklärt jeden Wert einzeln und zeigt außerdem, welche Angaben in Ihrem Pass grundsätzlich fehlen, obwohl sie für die fertige Brille entscheidend sind. Stand: August 2026.


Das Wichtigste in Kürze

ThemaKey Takeaway
Sphäre (sph)Die Grundstärke in Dioptrien. Minus steht für Kurzsichtigkeit, Plus für Weitsichtigkeit.
Zylinder und AchseBeschreiben gemeinsam eine Hornhautverkrümmung. Der Zylinder nennt die Stärke, die Achse die Lage in Grad.
Addition (add)Der Zusatzwert für die Nähe. Er taucht erst bei Lese-, Bifokal- und Gleitsichtgläsern auf.
Pupillendistanz (pd)Der Abstand der Pupillen in Millimetern. Er entscheidet, wo die optische Mitte im Glas sitzt.
Dioptrien sind keine SehschärfeDer Wert 0,7 aus dem Sehtest ist ein Visus und hat mit Dioptrien nichts zu tun.
Was fehltZentrierdaten wie der Hornhautscheitelabstand stehen in vielen Pässen nicht. Sie hängen von der gewählten Fassung ab. Auf Zeiss-Brillenpässen sind sie dagegen mit aufgeführt.
Ihr RechtAuf Ihre Messwerte haben Sie Anspruch. Auf den Brillenpass als Dokument nicht, er ist freiwilliger Service.

Was ist ein Brillenpass?

Ein Brillenpass ist eine Übersicht Ihrer Korrektionswerte, die Ihr Augenoptiker nach der Augenprüfung ausstellt. Auch die Sehwerte aus einer Verordnung vom Augenarzt lassen sich dort ablesen. Der Pass beschreibt Ihre Augen, nicht Ihre fertige Brille. Wichtig zu wissen: Für Brille oder Kontaktlinsen gelten unterschiedliche Werte, Kontaktlinsenwerte weichen wegen des fehlenden Abstands zum Auge ab.

Braucht man einen Brillenpass zwingend? Nein, er ist ein freiwilliger Service, aber eine praktische Übersicht. Ein einheitliches Formular gibt es nicht, jeder Betrieb gestaltet den Pass etwas anders. Die Angaben und Abkürzungen sind aber weitgehend die gleichen.


Alle Angaben im Brillenpass im Überblick

Die Tabelle zeigt, was die wichtigsten Abkürzungen auf dem Brillenpass bedeuten, nach der Übersicht des Kuratoriums Gutes Sehen. Sie deckt die Angaben ab, die auf den allermeisten Pässen stehen.

KürzelSteht fürWas es bedeutetEinheit und Schrittweite
R / Re / RARechtes AugeAlle Werte werden im Brillenpass je Auge getrennt vermerkt—
L / Li / LALinkes AugeDie Werte für das rechte Auge und das linke Auge sind fast nie identisch—
sphSphäreGrundstärke bei Kurz- oder WeitsichtigkeitDioptrien, 0,25er-Schritte
cyl / zylZylinderStärke einer HornhautverkrümmungDioptrien, 0,25er-Schritte
ax / AAchseLage der HornhautverkrümmungGrad, 0 bis 180, in 1er-Schritten
addAdditionZusatzstärke für die Nähe bei MehrstärkengläsernDioptrien, immer ein Plus-Wert
pdPupillendistanzAbstand Pupillenmitte zur Mitte des NasenrückensMillimeter
prPrismaKorrigiert ein latentes Schielencm/m
b / basBasisGibt die Richtung des Prismas anGrad oder Richtungsangabe

Das Prisma wird übrigens in Zentimeter pro Meter (cm/m) angegeben. Steht bei einem Wert nichts oder eine Null, brauchen Sie diese Korrektur nicht. Ein leeres Zylinderfeld bedeutet: keine nennenswerte Hornhautverkrümmung.


Plus oder Minus: kurzsichtig oder weitsichtig?

Das Vorzeichen vor der Sphäre verrät die Art der Fehlsichtigkeit. Ein negativer Wert (Minus) steht für Kurzsichtigkeit, ein positiver Wert (Plus) für Weitsichtigkeit, fachlich auch Übersichtigkeit genannt. Je höher der Wert, desto stärker die Korrektur. Kurzsichtige sehen in der Nähe gut und in der Ferne unscharf: Straßenschilder verschwimmen, das Buch bleibt lesbar. Bei Weitsichtigkeit ist es umgekehrt, wobei jüngere Augen eine leichte Weitsichtigkeit oft noch selbst ausgleichen.

Ob ein Wert “viel” ist, lässt sich nicht amtlich beantworten. Eine offizielle Grenze für eine starke Korrektur gibt es nicht. Was Ihre Zahl im Alltag bedeutet, hängt von Ihrem Sehverhalten ab. Genau das klären wir in der Beratung zur richtigen Brille.


Zylinder und Achse: das Paar für die Hornhautverkrümmung

Zylinder und Achse gehören immer zusammen. Der Zylinderwert gibt die Stärke einer Hornhautverkrümmung an, medizinisch Astigmatismus genannt. Der Achsenwert beschreibt ihre Lage zwischen 0 und 180 Grad.

Anschaulich gesagt: Eine ideale Hornhaut ist geformt wie eine Kugel, bei einer Hornhautverkrümmung eher wie ein Rugbyball. Sie bricht das Licht in einer Richtung stärker als in der anderen, das Ergebnis sind verzerrte Konturen. Der Zylinder im Brillenglas gleicht genau das aus. Die Achse ist dabei keine Stärkeangabe, sondern eine Lageangabe. Ein Achsenwert von 175 ist nicht “größer” als einer von 10. Ohne die passende Achse sitzt die Korrektur schief.


Addition und Pupillendistanz

Zwei Werte tauchen nicht bei jedem Brillenträger auf.

Die Addition erscheint erst bei Lese-, Bifokal- und Gleitsichtgläsern. Der Additionswert ist der Zusatzwert für die Nähe, angegeben ebenfalls in Dioptrien, laut Kuratorium Gutes Sehen immer ein Plus-Wert in 0,25er-Schritten und typischerweise bis 3,00 Dioptrien. Er kommt zur Fernstärke hinzu und ersetzt sie nicht. Eine reine Fernbrille kommt ohne Addition aus, für die Lesebrille wird sie mit der Fernstärke verrechnet.

Die Pupillendistanz, oft auch Augenabstand genannt, ist der Abstand zwischen Pupillenmitte und Mitte des Nasenrückens in Millimetern, laut Kuratorium Gutes Sehen im Durchschnitt 62 Millimeter bei Frauen und 65 bei Männern. Sie finden sie auf dem Brillenpass mal als Gesamtwert, mal als zwei getrennte Werte.

Sie entscheidet, wo die optische Mitte des Glases liegt. Sitzt sie falsch, blicken Sie am optimalen Punkt vorbei. Das kann zu Verspannungen und unruhigem Sehen führen, auch wenn die Stärke stimmt.


Dioptrien sind nicht Sehschärfe

Hier entsteht die häufigste Verwechslung. Viele erinnern sich an einen Wert wie 0,7 aus einem Sehtest und suchen ihn im Brillenpass. Dort steht er nicht, denn es sind zwei verschiedene Werte. Der eine (Dioptrie) beschreibt den Sehfehler, der andere (Sehschärfe/Visus) die Sehleistung.

GrößeWas sie misstWo sie stehtBeispielwert
DioptrieWie stark ein Brillenglas das Licht bricht, also die nötige KorrekturIm Brillenpass-2,25 dpt
Visus (Sehschärfe)Wie gut Sie tatsächlich sehen, mit oder ohne KorrekturIm Sehtestergebnis0,7 oder 1,0

Der Visus ist ein Leistungswert. Der Wert 0,7 hat besondere Bedeutung im Straßenverkehr: Nach Anlage 6 der Fahrerlaubnis-Verordnung ist der Sehtest für den Führerschein der Klassen A, B und weiterer Gruppe-1-Klassen bestanden, wenn die zentrale Tagessehschärfe mit oder ohne Sehhilfe mindestens 0,7 auf beiden Augen beträgt.

Beide Werte hängen nicht linear zusammen. Eine hohe Dioptrienzahl bedeutet nicht automatisch eine schlechte Sehschärfe. Wer gut korrigiert ist, erreicht auch mit starken Werten volle Sehschärfe. Wie eine solche Prüfung abläuft, lesen Sie im Beitrag zum professionellen Sehtest.


Was nicht im Brillenpass steht: die Zentrierdaten

Ihr Brillenpass enthält die Werte Ihrer Augen. Für eine neue Brille reicht das allein nicht. Die Arbeits- und Qualitätsrichtlinien des Zentralverbands der Augenoptiker und Optometristen benennen in Kapitel 2.8 zusätzlich die Zentrierdaten: “Für die Fertigung der Korrektionsbrille sind die Pupillendistanz, der HSA sowie dafür notwendige fassungs- und brillengläserabhängige Zentrierparameter (wie z. B. Fassungsvorneigung, Nahteilhöhe) manuell oder mittels computerunterstützter Messtechnik zu bestimmen.”

Dahinter stehen drei Größen, die den meisten Brillenträgern unbekannt sind:

ParameterWas er beschreibtWann er laut Richtlinie gemessen wird
Hornhautscheitelabstand (HSA)Der Abstand zwischen Glasrückfläche und HornhautAb Werten über ± 4,00 dpt im stärksten Hauptschnitt sowie bei individuell optimierten Glasdesigns
FassungsvorneigungWie stark die Fassung nach vorn geneigt sitztBei asphärischen Gläsern und individuell optimierten Designs
FassungsscheibenwinkelDie seitliche Krümmung der Fassung zum GesichtBei allen Fassungen ohne standardisierten Scheibenwinkel, etwa bei stark durchgebogenen Modellen

Der entscheidende Satz der Richtlinie lautet: “Die Messung der Zentrierdaten setzt die Voranpassung der ausgewählten Brillenfassung voraus.” Genau deshalb sind diese Angaben nicht Teil der reinen Augenwerte. Sie hängen von der konkreten Fassung ab. Manche Pässe drucken sie trotzdem mit ab, der Zeiss-Brillenpass zum Beispiel. Verbindlich sind sie aber immer nur für die Fassung, an der gemessen wurde. Wechseln Sie die Fassung, ändern sich die Zentrierdaten, obwohl Ihre Sehstärke identisch bleibt.

Auf Ihre Messwerte haben Sie übrigens Anspruch: Der Justiziar des Zentralverbands, Dr. Jan Wetzel, verweist auf die datenschutzrechtliche Pflicht zur Herausgabe der Refraktionsdaten. Auf den gedruckten Pass besteht dagegen kein Rechtsanspruch.

Der Brillenpass ist also eine gute Grundlage, aber kein Bauplan. Wer allein mit den Passwerten eine Gleitsichtbrille bestellt, lässt genau die Parameter weg, die die Fachrichtlinie für die Fertigung vorsieht. Bei uns in Wassenberg messen wir die Zentrierdaten deshalb immer an der Fassung, für die Sie sich entschieden haben.


Wann Ihre Sehwerte nicht mehr aktuell sind

Das Datum auf dem Pass ist kein Verfallsdatum, aber ein Hinweis. Der Berufsverband der Augenärzte beschreibt die Alterssichtigkeit nicht als Krankheit, sondern als physiologische Alterung der Augenlinse: Sie verliert an Elastizität. Ab etwa 45 Jahren bemerken die meisten Menschen laut Berufsverband eine nachlassende Nahsicht bei weiterhin guter Fernsicht.

Diese Anzeichen nennt der Berufsverband als typische Beschwerden:

  • Sie halten Texte weiter weg als früher.
  • Sie lesen Zeitungstext nur noch bei hellem Licht bequem.
  • Sie bekommen Kopfschmerzen, die im Lauf des Tages zunehmen.

Als Faustregel empfehlen wir eine Prüfung alle zwei Jahre, spätestens aber vor dem Kauf einer neuen Brille. Nur aktuelle Werte führen zu einer Brille, die wirklich entlastet. Der Sehtest ist bei Jaegers & Klingenhäger in Wassenberg kostenlos und unverbindlich. Bringen Sie Ihren alten Brillenpass und Ihre aktuelle Brille mit, dann sehen wir direkt, was sich verändert hat.


Fazit: Der Pass beschreibt Ihre Augen, nicht Ihre Brille

Ihr Brillenpass ist schnell entschlüsselt: Sphäre für die Grundstärke, Zylinder und Achse für die Hornhautverkrümmung, Addition für die Nähe, Pupillendistanz für die Position im Glas. Was er nicht leisten kann, ist ebenso wichtig. Die Zentrierdaten entstehen an der gewählten Fassung, und die Sehschärfe aus dem Sehtest ist eine andere Größe als die Dioptrien im Pass.

Sie möchten wissen, ob Ihre Werte noch stimmen? Bringen Sie Ihren aktuellen Brillenpass mit zu uns nach Wassenberg. Wir prüfen Ihre Augen kostenlos und erklären Ihnen jeden Wert an Ihrem eigenen Pass. Termine vereinbaren Sie über unsere Kontaktseite oder telefonisch. Mehr über unser Haus erfahren Sie auf der Seite Augenoptiker Wassenberg.


Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie lese ich einen Brillenpass richtig?

Lesen Sie zeilenweise. Oben steht meist das rechte Auge (R), darunter das linke (L). Von links nach rechts folgen Sphäre, Zylinder und Achse, danach gegebenenfalls Addition und Pupillendistanz. Leere Felder bedeuten, dass diese Korrektur nicht nötig ist.

Was bedeutet Plus und Minus bei der Sehstärke?

Ein Minus vor der Sphäre steht für Kurzsichtigkeit, ein Plus für Weitsichtigkeit. Kurzsichtige sehen in der Nähe gut und in der Ferne unscharf. Bei Weitsichtigkeit ist es umgekehrt. Je größer die Zahl, desto stärker die nötige Korrektur.

Was bedeutet 0,7 beim Sehtest?

0,7 ist ein Visus-Wert und beschreibt die Sehschärfe, nicht die Brillenstärke. Nach Anlage 6 der Fahrerlaubnis-Verordnung gilt der Sehtest für den Autoführerschein als bestanden, wenn die Tagessehschärfe mit oder ohne Sehhilfe mindestens 0,7 auf beiden Augen erreicht.

Ist eine Brillenstärke von 2,5 Dioptrien viel?

Es gibt keine offizielle Grenze, ab der eine Korrektur als stark gilt. Der Wert beschreibt allein, wie viel Korrektur Ihr Auge braucht. Entscheidend ist, wie gut Sie damit im Alltag sehen, nicht die Höhe der Zahl.

Was bedeutet ADD im Brillenpass?

ADD steht für Addition, den Zusatzwert für die Nähe. Der ADD-Wert erscheint nur bei Lese-, Bifokal- und Gleitsichtgläsern. Die Addition ist immer ein Plus-Wert und kommt zur Fernstärke hinzu. Sie ersetzt die Fernwerte also nicht.

Warum steht die Pupillendistanz nicht immer im Pass?

Die Pupillendistanz gehört zu den Zentrierdaten. Diese werden laut der Richtlinie des Zentralverbands der Augenoptiker an der ausgewählten Fassung bestimmt, weil sie von deren Sitz abhängen. Manche Betriebe notieren sie trotzdem, verbindlich ist sie nur zur jeweiligen Fassung.

Muss mir der Optiker meine Werte geben?

Ja. Der Justiziar des Zentralverbands der Augenoptiker weist darauf hin, dass Augenoptiker zur Herausgabe der Refraktionsdaten verpflichtet sind, gestützt auf das Datenschutzrecht. Ein Rechtsanspruch auf einen gedruckten Brillenpass besteht dagegen nicht.

Wie lange sind Brillenwerte gültig?

Ein festes Verfallsdatum gibt es nicht. Augen verändern sich jedoch. Laut Berufsverband der Augenärzte lässt die Nahsicht ab etwa 45 Jahren nach. Wenn Sie Texte weiter weg halten oder Kopfschmerzen bekommen, lohnt eine neue Prüfung.


Über die Autorin

Lena Herzog, Augenoptikerin

Lena Herzog ist Augenoptikerin bei Jaegers & Klingenhäger in Wassenberg. Mit jahrelanger Erfahrung berät sie Kunden bei der Wahl der richtigen Brille, führt professionelle Sehtests durch und passt Kontaktlinsen individuell an. Als Teil eines Familienunternehmens mit 70-jähriger Tradition verbindet sie Erfahrungswerte mit modernster Technologie. Ihr Fokus liegt auf ehrlicher Beratung und individuellen Lösungen für besseres Sehen.


Quellen & weiterführende Informationen

Fachverbände, Richtlinien und Rechtsgrundlagen

  1. Kuratorium Gutes Sehen e.V.: Brillenpass, alle Abkürzungen erklärt. sehen.de
  2. Zentralverband der Augenoptiker und Optometristen (ZVA): Arbeits- und Qualitätsrichtlinien für Augenoptik und Optometrie, 10. Auflage 2024, Kapitel 2.8 Bestimmung der Zentrierdaten. zva.de
  3. DER AUGENOPTIKER: Refraktionswerte gehören dem Kunden, mit Einschätzung des ZVA-Justiziars Dr. Jan Wetzel. der-augenoptiker.de
  4. Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV), Anlage 6 Nummer 1.1: Anforderungen an das Sehvermögen. gesetze-im-internet.de
  5. Berufsverband der Augenärzte Deutschlands: Alterssichtigkeit (Presbyopie). augeninfo.de
  6. DIN EN ISO 13666: Definition des Hornhautscheitelabstands, zitiert in der ZVA-Richtlinie 2024.

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